Überblick über die historischen Schriftarten, mit denen wir regelmäßig arbeiten. Jede Schriftart bringt eigene Herausforderungen mit, von Abkürzungen über regionale Eigenheiten bis zu Tintenfraß.
Karolingische Minuskel ist eine klar gegliederte Buchschrift, die sich seit dem späten 8. Jahrhundert verbreitet hat. Sie findet sich in liturgischen Codices, frühen Urkunden und in vielen wissenschaftlichen Handschriften des Mittelalters. Sie ist im Vergleich zu späteren gotischen Schriften relativ gut lesbar, verlangt aber paläografische Übung bei Kürzungszeichen und Ligaturen. Geeignete Leistung: Transkription, wissenschaftliche Edition.
Gotische Schriften reichen vom 12. Jahrhundert bis weit in die Neuzeit. Textura war die Buchschrift hochmittelalterlicher Codices, Bastarda eine Mischform für Urkunden und Privatschreiben, Fraktur prägte vom 16. bis ins 20. Jahrhundert deutschsprachige Druckwerke. Frakturschrift transkribieren wir routinemäßig für Bücher, Zeitungen, amtliche Drucksachen und Schriftstücke. Geeignete Leistung: Transkription, Edition, Lektorat.
Kanzleischrift ist eine Sammelbezeichnung für die in Verwaltung und Notariat verwendeten Schriften vom Spätmittelalter bis ins 19. Jahrhundert. Sie ist häufig stark verschlungen, mit ausgeprägten Schwüngen und Abkürzungen. Typische Dokumente sind Urkunden, Verträge, amtliche Korrespondenz und Protokolle. Schwierig zu lesen sind besonders die regionalen Varianten und individuelle Schreiberhände. Geeignete Leistung: Transkription, Übersetzung, Register.
Kurrent, auch deutsche Schreibschrift genannt, war im deutschsprachigen Raum vom 16. bis ins 20. Jahrhundert die übliche Schreibschrift für private und geschäftliche Korrespondenz. Sie wirkt heute fremd, weil viele Buchstaben deutlich von der lateinischen Schrift abweichen. Kurrent lesen lassen wir routinemäßig für Tagebücher, Briefe, Familiendokumente und Akten. Geeignete Leistung: Transkription, Übersetzung, genealogische Auswertung.
Sütterlin ist eine besondere Form der deutschen Schreibschrift, die zwischen 1915 und 1941 als Schulschrift im deutschsprachigen Raum verwendet wurde. Wer Briefe, Postkarten oder Tagebücher aus dieser Zeit besitzt, trifft sehr häufig auf Sütterlin. Sütterlin transkribieren und Sütterlin übersetzen sind typische Aufgaben in der Familien- und Ortsgeschichte. Geeignete Leistung: Transkription, Übersetzung.
Lateinische Schreibschrift hat seit dem 18. Jahrhundert in Mitteleuropa zunehmend die deutsche Schreibschrift abgelöst. Sie ist heute leichter lesbar, kann aber bei stark individuellen Schreibhänden, schlechten Tintenrückständen oder altersbedingten Schäden trotzdem schwierig sein. Geeignete Leistung: Transkription, Lektorat.
Lateinische Handschriften reichen von der Spätantike über das Mittelalter bis in die frühe Neuzeit. Sie umfassen Codices, Urkunden, Briefe, theologische und juristische Schriften. Die Schwierigkeiten liegen in Abkürzungen, Ligaturen, regionalen Eigenheiten und in der Sprache selbst, die Mittellatein, Kirchenlatein oder Vulgärlatein sein kann. Geeignete Leistung: Transkription, Übersetzung, Edition.
Griechische Papyri reichen vom Hellenismus über das römische Ägypten bis in die spätantike Verwaltung. Inhaltlich finden sich Verträge, Briefe, Steuerlisten, literarische Fragmente und religiöse Texte. Die Lesbarkeit hängt stark vom Erhaltungszustand ab. Risse, Lücken und Abnutzungen müssen sauber dokumentiert werden. Geeignete Leistung: Transkription, Übersetzung, wissenschaftliche Annotation.
Akkadische Keilschrift wurde von rund 2.500 v. Chr. bis in die letzten Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung verwendet. Tontafeln aus Mesopotamien enthalten Verwaltungstexte, Briefe, Verträge, religiöse Hymnen und Königsinschriften. Die Bearbeitung verlangt fundiertes Spezialwissen, weil das Schriftsystem komplex ist und Inhalte oft nur durch parallele Stellen erschlossen werden können. Geeignete Leistung: Transkription, Transliteration, Übersetzung, Annotation.
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Schrift identifizieren lassen